Die Entscheidung, den Landesalmwandertag zu verschieben, erwies sich als goldrichtig, als die Almwanderer aus ganz Kärnten am Samstag auf der Petzen in Unterkärnten strahlender Sonnenschein erwartete. Für viele war es die erste Fahrt mit der Gondelbahn auf die in 1708 m Höhe gelegene Bergstation des Grenzberges zwischen Österreich und Slowenien, wo die Almflächen im Winter zu Schipisten werden, wo Spitzensportler wie Sabine Egger, Tina Maze oder Rainer Schönfelder trainierten. Die Weideflächen auf der 701 ha großen Techma-Alm mit 309 ha Ödland sind seit dem Zweiten Weltkrieg durch Strukturwandel und Zunahme des Waldes – von 368 ha sind nur 124 ha Schutzwald in Ertrag – auf knapp 20 ha geschrumpft.
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Zur Zeit weiden nur fünf Kühe auf der Techma-Alm, der Auftrieb soll verstärkt werden. © Fertschey
Die Interessenkonflikte zwischen Grundbesitzern intern, Jagd und Tourismus sowie die Gefährdung von Natur und Wasser durch extreme Nutzung der vielen Möglichkeiten des Freizeitsports wie Mountainbiken, führte Agrargemeinschaftsobmann Marian Tomažej als größte Herausforderungen für die Agrargemeinschaft an. Der Auftrieb gehe trotz der großen Anzahl von 114 Anteilshabern mit über 18.000 Anteilen stetig zurück, erzählte Tomažej. So sahen die Wanderer auf dem Weg zur neuen Techma-Hütte nur fünf Rinder und drei Pferde friedlich grasen. Die urige und architektonisch ansprechende Hütte, die von Mitgliedern vor fünf Jahren in Eigenregie mit Lärchenholz von sturmgeschädigten Bäumen erbaut wurde, war nur an jenem Tag für die Almwanderer zugänglich. Sie wurden von der Jagdgesellschaft mit Hirschsalami und köstlichem Wildragout verwöhnt.
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Obmann Tomažej spielte mit Verstärkung von Freunden zum Tanz auf. © Fertschey
Eine regionale kulinarische Köstlichkeit wie Hadn­kranznudeln erwartete die Besucherinnen und Besucher auf dem schon für den St.Anna-Kirchtag am Sonntag vorbereiteten Festgelände des SC Petzen unter der Bergstation, wo Tomažej mit Freunden anstatt der wegen Terminverschiebung ausgefallenen „Had’nsterz Musi“ zum Tanz aufspielte. Josef Obweger, Obmann des Kärntner Almwirtschaftsvereines, hob die gute Futterlage auf der Alm hervor und dankte für das im Mai einstimmig im Landtag beschlossene Kärntner Alm- und Weideschutzgesetz, das bei Angriff oder Gefahr durch den Wolf sofortiges Eingreifen ermögliche. „Damit erfüllt Kärnten eine Vorreiterrolle und wird im In- und Ausland beneidet.“ Seither sei schon ein Schadwolf erlegt worden, insgesamt hätten 13 Abschüsse von Wölfen zum drastischen Rückgang der Risse geführt. Im Jahr 2022 waren es fast 400, heuer bisher nur 15.
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Viel Prominenz beim Almwandertag: LK-Vizepräsident Roman Linder, LK-Präsident Siegfried Huber, NR Johann Weber, Almwirtschaftsvereins Obmann Josef Obweger, LHStv. Martin Gruber, Agrargemeinschafts obmann Marian Tomažej, NR Peter Weidinger und Almwirtschaftsvereins-GF Josef Brunner. © Fertschey
Ein Anreiz für den Auftrieb habe sich heuer durch die Auszahlung 2024 mit einem Plus von 8 % im ÖPUL und bei den AZ sowie plus 14 % für Bergbauernbetriebe in extremeren Lagen ergeben. Ab 2025 gebe es mit der neuen ÖPUL-Maßnahme „Almweidemanagement“ die Möglichkeit, 2,4 GVE pro ha aufzutreiben. An die Direktvermarkter appellierte Obweger, der auch das neue Buch von Andreas Bohner „Praxisführer Almpflanzen“ empfahl, in die Marke „Von der Alm“ einzusteigen. In Grußworten hoben die Ehrengäste Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber, die Nationalratsabgeordneten Peter Weidinger und Johann Weber, LK-Präsident Siegfried Huber und Vizepräsident Roman Linder die Bedeutung der Almwirtschaft hervor. Huber und LAbg.KR Franz Josef Smrtnik plädierten darüber hinaus für das Zurückdrängen der Großraubtiere, wobei sich Huber grundsätzlich optimistisch zeigte: „Ich bin guter Dinge, dass die Almwirtschaft Zukunft hat.“